Astrid Koppe
Viele Jahre war ich als Rechtsanwältin tätig, zuletzt als Fachanwältin für Familienrecht. In dieser Zeit habe ich nicht nur Akten gelesen und Gerichtsverfahren begleitet – ich habe Menschen und ihre Lebensgeschichten kennengelernt. Besonders prägend war meine Tätigkeit als Verfahrensbeiständin. Ich begegnete Kindern, die zwischen den Konflikten ihrer Eltern standen, deren Stimmen immer leiser wurden, während um sie herum gestritten wurde. Ich sah Kinder, die funktionierten, obwohl ihr inneres Gleichgewicht längst erschüttert war. Ebenso erlebte ich Erwachsene, die durch Trennung, Verlust und anhaltende Konflikte an ihre Grenzen gelangten.
Diese Erfahrungen haben mich tief bewegt und Fragen in mir wachsen lassen, die das Recht allein nicht beantworten konnte: Was macht Menschen innerlich stark? Was hilft ihnen, auch in schwierigen Zeiten Halt zu finden? Und was brauchen Kinder, damit sie trotz belastender Erfahrungen gesund und zuversichtlich aufwachsen können?
Die Suche nach Antworten führte mich über das Recht hinaus. Ich ließ mich zur Mediatorin ausbilden und absolvierte die Ausbildung zur Resilienztrainerin nach Loovanz. Dabei wurde mir immer deutlicher, dass Resilienz weit mehr ist als positives Denken oder eine Frage der Willenskraft. Sie entsteht dort, wo Menschen Sicherheit erleben, Beziehungen tragen und Körper, Geist und Gefühle wieder in Einklang kommen.
Ein wesentlicher Bestandteil meiner Arbeit ist heute die Einbeziehung neurobiologischer Erkenntnisse. Sie zeigen, wie Erfahrungen, Stress und Sicherheit in unserem Nervensystem verarbeitet werden und warum Menschen in belastenden Situationen oft nicht so handeln können, wie sie es eigentlich möchten. Gleichzeitig macht die Neurobiologie verständlich, wie Regulation, Lernfähigkeit und innere Stabilität wieder wachsen können – und warum Resilienz ein lebenslanger Entwicklungsprozess ist.
Auf diesem Weg entdeckte ich zunehmend auch die besondere Bedeutung von Musik und Klang. Musik begleitet uns von Beginn unseres Lebens an und erreicht oft jene Ebenen, die Worte allein nicht erreichen. Als Praktikerin der Peter-Hess-Klangmethoden habe ich erfahren, wie sanft und zugleich tiefgreifend Klang das Nervensystem beruhigen, Selbstwahrnehmung fördern und innere Ordnung unterstützen kann. Für mich ist Musik deshalb keine Ergänzung, sondern eine natürliche Ressource für Gesundheit, Entwicklung und Resilienz.
Die Verbindung aus meiner langjährigen juristischen Erfahrung, Mediation, Resilienzarbeit, neurobiologischem Wissen und der Arbeit mit Klang bildet heute die Grundlage meines Wirkens. Aus ihr sind meine Bücher entstanden – ein Resilienzbuch für Kinder und ein Resilienzbuch für Erwachsene.
Mit meinen Büchern möchte ich Menschen ermutigen, ihre eigenen Ressourcen zu entdecken und zu erfahren, dass Resilienz wachsen kann. Meine langjährige Arbeit hat mir gezeigt, dass selbst belastende Erfahrungen nicht das letzte Wort haben müssen. Wenn Menschen Verständnis, Sicherheit und die richtigen Impulse erfahren, können sie ihre innere Stärke wiederfinden und neue Handlungsmöglichkeiten entwickeln.
Diese Überzeugung prägt meine Arbeit ebenso wie meine Bücher: Resilienz ist keine angeborene Eigenschaft und kein Privileg weniger Menschen. Sie ist ein Entwicklungsweg, der durch Beziehung, Wissen, Körpererfahrung und achtsame Begleitung gestärkt werden kann – bei Kindern ebenso wie bei Erwachsenen.